2001:7b8:3cd:200::1

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Sixxs.gif

2001:7b8:3cd:200::1 - was soll das sein? Es ist eine IPv6 Adresse! Und zwar nur eine meiner gewaltigen 1 208 925 819 614 629 174 706 176 (2^80) statischen IP Adressen aus dem neuen Internet der neuen Generation.

Lange hat mich IPv6 überhaupt nicht interessiert aber im Jänner hab ich es dann doch gewagt und mir einen Tunnel bei http://www.sixxs.net bestellt.

Nach der Überprüfung meiner Daten war der Tunnel sofort eingerichtet. Zum Glück habe ich ebenfalls eine statische IPv4 Adresse, so kann ich bequem das Protokoll "6in4" (IP Protokoll 41) verwenden und muss nicht lästige Lösungen zurückgreifen die meine IP Adresse überwachen und den Tunnel umschreiben. Weiters hatte ich das Glück, dass ich es auf Anhieb geschafft habe bei meinem Speedtouch 546i das IP Protokoll 41 weiterzuleiten. So brauchte ich mich auch nicht mit irgendwelchen "windigen" UDP-Tunnel-"Lösungen" herumschlagen. Meine Installation beschreibe ich in diesem Artikel


Inhaltsverzeichnis

Konfiguration Speedtouch für IPv6

Die Konfiguration des ST hatte ich auf Anhieb geschafft:

:nat tmpladd group=wan type=nat outside_addr=0.0.0.1 inside_addr=10.7.99.10 protocol=41 mode=inbound 

Damit wird das Protokoll von der externen IP (0.0.0.1) an die interne IP 10.7.99.10 geNATet.

Die Maplist am Speedtouch sieht daraufhin so aus:

:nat maplist expand=enabled
[...]
34 NAT  Internet        193.154.229.55                 10.7.99.10                0
                        Access List................... 10.7.99.10
                        Foreign Address............... any
                        Protocol...................... 6to4
                        Flags......................... Instance
                        Weight........................ 10
                        Description................... Inbound Two-way NAT
                        Creator Data.................. 0
[...] 

Am besten kontrolliert man das indem man tcpdump auf 10.7.99.10 verwendet:

tcpdump -i vlan3 'proto 41'

Auf einem anderen Rechner im Internet generiert man ein passendes Paket:

hping2 -0 --ipproto 41 -E /etc/apt/sources.list -d 5 gate.nobaq.net 

Aber Achtung, unbedingt eine Länge und Daten angeben sonst kommen die Pakete nicht durch und werden mit folgender Meldung vom ST verworfen:

IDS proto parser : ip zero payload (1 of 61) : 62.99.247.88 193.154.229.55 0020 41

(siehe Post von mir: http://www.speedtouchforum.de/viewtopic.php?t=2617)

Konfguration Tunnel auf Debian

Nun kann man am Debianrechner den Tunnel einrichten. Alle relevanten Daten erhält man in "home"-Bereich von sixxs. Meine /etc/networking/interfaces sieht so aus:

iface sixxs inet6 v4tunnel
        address 2001:7b8:2ff:196::2
        netmask 64
        local 10.7.99.10
        endpoint 193.109.122.244
        ttl 64
        up ip link set mtu 1280 dev sixxs
        up ip route add default via 2001:7b8:2ff:196::1 dev sixxs

Achtung! "local" sollte (muss aber nicht) angegeben werden, denn sonst werden dem Interface automatisch alle IPv4 Adressen als linklokale IPv6 Adressen zugewiesen was ich als lästig empfinde. Das ist auch in der Anleitung bei Sixxs nicht beschrieben.

Test

Und schon kann der Test losgehen:

# ping6 noc.sixxs.net -n
PING noc.sixxs.net(2001:838:1:1:210:dcff:fe20:7c7c) 56 data bytes
64 bytes from 2001:838:1:1:210:dcff:fe20:7c7c: icmp_seq=1 ttl=58 time=47.8 ms
64 bytes from 2001:838:1:1:210:dcff:fe20:7c7c: icmp_seq=2 ttl=58 time=47.3 ms
64 bytes from 2001:838:1:1:210:dcff:fe20:7c7c: icmp_seq=3 ttl=58 time=47.9 ms

--- noc.sixxs.net ping statistics ---
3 packets transmitted, 3 received, 0% packet loss, time 2007ms
rtt min/avg/max/mdev = 47.379/47.736/47.947/0.310 ms
# ping6 www.kame.net -n
PING www.kame.net(2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085) 56 data bytes
64 bytes from 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: icmp_seq=1 ttl=47 time=337 ms
64 bytes from 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: icmp_seq=2 ttl=47 time=337 ms
64 bytes from 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: icmp_seq=3 ttl=47 time=321 ms

--- www.kame.net ping statistics ---
3 packets transmitted, 3 received, 0% packet loss, time 2004ms
rtt min/avg/max/mdev = 321.493/331.911/337.180/7.366 ms

Juhuu, die Verbindung steht! :-)


Das Subnet

Wo kommt jetzt aber 2001:7b8:3cd:200::1 her? Nach einer Woche Wartezeit (in der ich meinen Tunnel 24*7 Stunden aufrecht erhalten musste) hat mir sixxs dann ein ganzes /48 Netz durchgeschaltet. Beeindruckend, jetzt habe ich mehr statische IP Adressen zu Verfügung als das ganze IPv4 Internet!

Als eigenes Subnet habe ich nun bekommen: 2001:7b8:3cd::/48. Meine Tunnel IP Adresse werde ich nur für den Tunnel verwenden und keine Services darauf lassen, ich hab ja jetzt ein ganzes Subnet, das mir sixxs durch meinen Tunnel routet.

Als erstes erweitere ich nun in /etc/network/interfaces den Eintrag für sixxs:

iface sixxs inet6 v4tunnel
        address 2001:7b8:2ff:196::2
        netmask 64
        # local 193.154.229.55

        local 10.7.99.10

        endpoint 193.109.122.244
        ttl 64
        up ip link set mtu 1280 dev sixxs
        up ip route add default via 2001:7b8:2ff:196::1 dev sixxs

        up ip route add blackhole 2001:7b8:3cd::/48 dev lo metric 65535
        down ip route del blackhole 2001:7b8:3cd::/48 dev lo

Die Einträge sorgen dafür, dass mein komplettes Subnet nach /dev/null geroutet wird. Das wird gebraucht wenn von aussen jemand ein Subnet von mir erreichen will dass es bei mir nicht gibt. Normalerweise würde das Paket durch den Tunnel zurückgeschickt werden, dann wieder zu mir unsw. Es tritt ein ping-pong Effekt auf (Die Pakete werden dann erst verworfen wenn die TTL abgelauten ist). Um das zu vermeiden wird eben diese Blackhole geschaffen.

Als nächstes möchte ich die neuen Adressen gerne verwenden. Aufgrund von VServern habe ich sowieso einige IPv4 Aliase. Für alle VServer, die von aussen erreichbar sein sollen hab ich nun die entsprechenden IPv6 Adressen zugewiesen. Weiters habe ich als Subnet 2001:7b8:3cd:200::/64 auserchoren - zur "Kompatibilität" zu 192.168.200.0/24. Dieses Netz befindet sich jetzt auf vlan2, d.h. es muss eine route-Anweisung hinzugefügt werden, der dieses Netz nach vlan2 routet. Der komplette Eintrag für vlan2 in /etc/network/interfaces sieht entsprechend so aus:

iface vlan2 inet static
        vlan-raw-device eth0
        address 192.168.200.1
        netmask 255.255.255.0

        up ip route add 2001:7b8:3cd:200::/64 dev vlan2
        down ip route del 2001:7b8:3cd:200::/64 dev vlan2

        up ip addr add 192.168.200.121/32 scope global dev vlan2
        up ip addr add 192.168.200.117/32 scope global dev vlan2
        up ip addr add 192.168.200.116/32 scope global dev vlan2
        up ip addr add 192.168.200.114/32 scope global dev vlan2
        up ip addr add 192.168.200.113/32 scope global dev vlan2
        up ip addr add 192.168.200.112/32 scope global dev vlan2

        up ip -6 addr add 2001:7b8:3cd:200::1/128 scope global dev vlan2
        up ip -6 addr add 2001:7b8:3cd:200::113/128 scope global dev vlan2
        up ip -6 addr add 2001:7b8:3cd:200::116/128 scope global dev vlan2
        up ip -6 addr add 2001:7b8:3cd:200::117/128 scope global dev vlan2
        up ip -6 addr add 2001:7b8:3cd:200::121/128 scope global dev vlan2

        down ip addr del 192.168.200.117/32 scope global dev vlan2
        down ip addr del 192.168.200.116/32 scope global dev vlan2
        down ip addr del 192.168.200.114/32 scope global dev vlan2
        down ip addr del 192.168.200.113/32 scope global dev vlan2
        down ip addr del 192.168.200.112/32 scope global dev vlan2
        down ip addr del 192.168.200.121/32 scope global dev vlan2

        down ip -6 addr del 2001:7b8:3cd:200::1/128 scope global dev vlan2
        down ip -6 addr del 2001:7b8:3cd:200::113/128 scope global dev vlan2
        down ip -6 addr del 2001:7b8:3cd:200::116/128 scope global dev vlan2
        down ip -6 addr del 2001:7b8:3cd:200::117/128 scope global dev vlan2
        down ip -6 addr del 2001:7b8:3cd:200::121/128 scope global dev vlan2

Weiters muss das Routing eingeschaltet werden. Das erledigt bei mir folgender Eintrag in der /etc/sysctl.conf:

net.ipv6.conf.default.forwarding=1

Am besten den Rechner neu starten.

Ein Test von aussen mit http://www.berkom.blazing.de/tools/traceroute.cgi zeigt den Erfolg:

1  eileen.bbg.blazing.de (2a01:30:1000::1)  1.517 ms  1.347 ms  0.986 ms
2  bbcr02-fra4-decixii-a.six-de.net (2001:4b88:0:4:15:2::)  17.364 ms  33.952 ms  39.842 ms
3  bbcr01-ams-a26a.six-de.net (2001:4b88:0:4:2:1:11:10)  44.947 ms  60.963 ms  75.813 ms
4  amsix-501.xe-0-0-0.jun1.kelvin.network.bit.nl (2001:7f8:1::a501:2859:2)  47.454 ms  47.911 ms  33.961 ms
5  700.xe-0-0-0.jun1.galilei.network.bit.nl (2001:7b8:0:2bc::2)  68.064 ms  87.636 ms  68.359 ms
6  jun1.kelvin.ipv6.network.bit.nl (2001:7b8::290:6900:1cc6:d800)  54.443 ms  55.959 ms  48.701 ms
7  nlede01.sixxs.net (2001:7b8:3:4f:202:b3ff:fe46:bec)  35.709 ms  67.959 ms  40.831 ms
8  nobaq.ip6.nobaq.net (2001:7b8:3cd:200::121)  103.558 ms *  72.143 ms

Über die Aufteilung des Netzes

Hier ein paar Worte über die Aufteilung meines Subnets da ich mir anfangs über die Konventionen auch nicht ganz im Klaren war. Eine IPv6 Adresse hat bekanntlich 128 Bit, ich bekomme ein /48er Netz zugewiesen, d.h. 48 Bits dieser Adresse dienen dem Routing vom Internet zu mir und ich kann davon 80 Bits verwenden.

Wie sieht es aber nun mit der Aufteilung von Hostteil/Netzteil aus? Prinzipiell ist alles möglich, z.B. auch eine /126er Adresse was bedeuten würde: 126 Bits zeigen das Netzwerk an und nur 2 Bit die Hosts, d.h. ich könnte in meinem Netz nur 2^2=4 Computer verwenden. Es hat sich jedoch die Konvention (vor allem auch in Bezug auf Autokonfiguration von IPv6) eingebürgert, dass immer 64 Bits Hostteil sein sollen und 64 Bits Netzteil. Das bedeutet dass mir von den 80 Bits "nur" mehr 16 Bits für meine Subnetze übrig bleiben. D.h. ich könnte dann immer noch 2^16=65536 verschiedene Netzwerke mit jeweils 18 446 744 073 709 551 616 Hosts adressieren.

Nachdem ich vermutlich sowieso nur eine Routingebene bei mir haben werde habe ich mein /64er Netz durch 200h bestimmt (also die 16 Bits die mir bleiben sind 200hex).

WindowsXP Client im Netz

WindowsXP ins IPv6 zu bekommen ist relativ einfach. In den Netzwerkeinstellungen muss man einfach auf "Protokoll hinzufügen" klicken und das IPv6 Protokoll hinzufügen.

Durch die IPv6 Autokonfiguration sind prinzipiell keine weiteren Schritte mehr nötig - Windows- und Linuxrechner können bereits miteinander kommunizieren (aber nur link-local!).

Damit Windows auch ins Internet kommt (mit IPv6) muss auf dem Router (Linuxmaschine) ein Routing Advertising Daemon installiert werden: radvd. Auch das ist ganz schnell erledigt:

aptitude install radvd

In der /etc/radvd.conf steht bei mir nicht viel mehr als:

interface vlan2
{
   AdvSendAdvert on;
   prefix 2001:7b8:3cd:200::/64
   {
   };
};

Und schon erhält Windows die Adresse des Routers. Ein Test zeigt den Erfolg:

U:\>ping www.kame.net

Ping www.kame.net [2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085] mit 32 Bytes Daten:

Antwort von 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: Zeit=337ms
Antwort von 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: Zeit=336ms
Antwort von 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: Zeit=317ms
Antwort von 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085: Zeit=342ms

Ping-Statistik für 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085:
    Pakete: Gesendet = 4, Empfangen = 4, Verloren = 0 (0% Verlust),
Ca. Zeitangaben in Millisek.:
    Minimum = 317ms, Maximum = 342ms, Mittelwert = 333ms

U:\>

Update 28. Juli 2009

Ich habe meinen ersten IPv6 only Webserver (2001:7B8:3CD:3::1731) in Betrieb genommen:

http://六.nobaq.net (http://roku.nobaq.net)

Update 10. August 2009

Seit heute ist meine Homepage auch mit nur IPv6 fähigen Systemen erreichbar (kein IPv4 mehr notwendig!). Das funktioniert weil ich seit heute IPv6-fähige glue Records für meine Nameserver in die Rootzonen eintragen hab lassen:

$ dig @a.gtld-servers.net. nobaq.net. -t NS +short
ns.nobaq.net.
slave.nobaq.net.
$ dig @a.gtld-servers.net. ns.nobaq.net. -t AAAA +short
2001:7b8:3cd:3::171
$ dig @a.gtld-servers.net. slave.nobaq.net. -t AAAA +short
2001:1418:1e9::1
$

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Diskussion:2001:7b8:3cd:200::1
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